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    Die Möwen gleiten im Wind entlang unserer Fähre während der Ausfahrt aus Kiel. Mühelos lassen sie sich im Windschatten des Schiffes treiben und beäugen uns und die anderen Fahrgäste, die das Traumwetter an Deck genießen, skeptisch. Um 20 Uhr legt die Fähre ab und dennoch sind es knapp 25 Grad! Untypisch für Kiel weht kein Lüftchen, so dass selbst die Länderflaggen an Deck es nicht schaffen im Wind zu tanzen. Unsere Fahrt führt uns von Kiel auf direktem Weg nach Klaipeda, einer Hafenstadt in Litauen welche für die angrenzende Kurische Nehrung bekannt ist. Ich bin voller Vorfreude auf die kommenden 12 Tage im Baltikum. Der Plan: Mit dem Campervan entlang der Küste reisen. Cream, unser 30 Jahre alter VW Bus, steht bereits unten im Laderaum und wartet darauf von Strand zu Strand zu düsen. Mit uns sind nur 6 andere Wohnmobile bzw. Campervans an Board. Fernab von Touristenströmen wollen Kai und ich die Schönheiten der drei Länder Litauen, Lettland und Estland erkunden.

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    Nach einem knappen Tag auf See erreichen wir entspannt und gut gesättigt vom Bordangebot die Hafeneinfahrt von Kalipeda. Wieder haben wir Glück und der Sonnengott bescherrt uns Traumwetter. Die Kurischen Nehrung, die unmittelbar vor dem Hafen der Stadt liegt und zu 50% zu Litauen und 50% zu Russland gehört, schillert in der Sonne und mir wird bewusst wie viel Weite wir während unserer Reise erfahren werden. Denn bereits auf dieser schmalen Halbinsel reichen die Baumwipfel bis zum Horizont. Kiefernwälder ziehen sich von einem Blickwinkel zum anderen. Es dauert eine gute Stunde bis wir am Anleger ankommen und den Weg ins Innere des Schiffes antreten, um Cream aus ihrer Parklücke zwischen LKWs und anderen Wohnmobilen zu befreien. Beim Hinauffahren der Rampe aus dem Untergeschoss des Schiffes verliere ich den Anschluss an die „Vormirfahrenden“, da unser Bus mit seinen unglaublichen 57kw alle Kraft zusammennehmen muss um diese im Schritttempo zu meistern. Jetzt kann der Roadtrip beginnen!

    Wir lassen Klaipeda und hiermit auch Litauen zunächst hinter uns um unseren ersten Schlafplatz ca. eine Stunde entfernt in Lettland zu erreichen. Aus der Stunde werden leider drei, da wir bereits nach 20km eine Reifenpanne haben. Die erste Kommunikationsprobe der Reise: Der mürrisch dreinblickende Balte legt ohne jeglichen Kommunikationsversuch direkt damit los unseren Bus hochzubocken. Ich schicke Kai vor einen Gesprächsversuch zu wagen und tatsächlich funktioniert es! Es ist wohl eher Zurückhaltung oder Unsicherheit als Unfreundlichkeit. Nach einer halben Stunde haben wir einen neuen Reifen und erhalten nach Abfahrt sogar noch eine SMS vom Pannenhelfer in der er auf charmantem Englisch erkärt, dass alte Autos doch viel schöner zu reparieren sind. Gegen 21 Uhr (durch die nördliche Lage Lettlands ist es im Sommer bis ca. 23 Uhr hell, so dass eine späte Schlafplatzsuche kein Problem ist) erreichen wir nach einem 6km langen Schotterweg, der uns ordentlich durchgeschüttelt hat, den kleinen Ort Jurmalciems. Laut des Reiseführers gehören die Strände rund um diesen Ort zu den schönsten Lettlands. (Dies kann ich bestätigen, aber vor allem wohl auch zu den einsamsten Stränden!) Nach der gemeisterten Schotterpiste denke ich, dass unser VW Bus jede Hürde nehmen kann weshalb ich mich waghalsig in die Zufahrt zum Stellplatz stürze. Dieser geschlängelte Weg ist gerade so breit, dass unser Campervan hindurchpasst und Kai stirbt tausend Tode bei dem Gedanken, dass unser Gastank am Unterboden Schaden nimmt. Passiert ist natürlich nichts!. Am Ende des Weges öffnet sich eine kleine Wiese hinter einer Düne und ein altes Wohnhaus. Da unser „dezent“ knatternder Motor uns bereits angekündigt hat ist es nicht verwunderlich, dass der Besitzer uns schon erwartet. Freundlich schmunzelt er als ich ihn Frage wo ich mich denn hinstellen soll (Zur Info: Die kleine Wiese war komplett leer, so dass ihm das wohl relativ egal ist.). Dieser erste Platz auf unserer Reise entspricht genau meinen Erwartungen: einfach, natürlich und strandnah. Gerade einmal eine Minute dauert es auf dem kleinen Weg von der Wiese zum Meer. Vor uns liegt die Ostsee und links und rechts erblicke ich niemanden. Kilometerweit niemanden! Kai und ich ziehen die Schuhe aus und stecken unsere Füße in den Sand. Herrlich!

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    Am nächsten Morgen geht es weiter entlang der Küste bis nach Liepaja, die erste kleine Stadt die wir erkunden wollen. Wir erahnen wie prunkvoll diese vor vielen Jahrzehnten gewesen sein muss. Wenn auch viele der Häuser verfallen sind, andere sind bereits wieder restauriert. Genau diese Mischung ist es die den Charme der Stadt ausmacht. Wir schlendern entlang der Touristen-Musik-Route, die durch kleine metallische Notenschlüssel auf dem Boden markiert ist. Am Hafen entdecken wir ein Viertel welches am Abend sicherlich fest von jungen Leuten und Studenten beherrscht wird. Hier gefällt es mir und so nutzen wir die Chance um eine kleine Mittagspause im Deli Snack zu machen. Auf den großen Holzbohlen, die zu Bänken und Tischen arrangiert sind lassen wir uns unseren Burger schmecken (Ich weiß es hätte etwas Einheimisches sein sollen, aber anscheind steht auch in Lettland momentan Burger hoch im Kurs). Neben diesem findet man überall in der Stadt traditionelle Geschäften sowie moderne Shops oder Coffeebars. Der westliche Einschlag ist hier deutschlich spürbar und verschmilzt zu einer amüsanten und interessanten Mischung mit der sowjetischen Vergangenheit.

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    Wir fahren weiter Richtung Norden mit dem Ziel Ventspils. Jedoch passieren wir auf halber Strecke die Abschnitte der Steilküste Lettlands. Eine herrlich blühende Sommerwiese mit direktem Blick auf das Meer kreuzt unseren Weg so dass wir anhalten. An der Wiese ist ein „Parkenschild“ mit einer Telefonnummer angebracht. Am angrenzenden Wald steht ein hölzernes Plumsklo mit Herz in der Eingangstür und nahe der Klippe befinden sich Picknicktische. Eine einheimische Großfamilie hat es ich bereits am rechten Teil mit zwei großen Zelten gemütich gemacht. Wir vermuten, dass das Campen hier erlaubt ist (Zusätzlich ist an der Einfahrt eine Camping-Schild angebracht) und platzieren unseren Bus so, dass wir ungestört den Abend genießen können. Gegen 20 Uhr kommt eine Frau, welche wie erwartet, die Besitzerin ist und 7€ für die Nacht kassiert. Ein absolutes Schnäppchen wenn man zusätzlich bedenkt, dass ein solcher Platz in Deutschland von mindestens 50 Campervans belagert wäre. Hoch auf unserer Klippe, der Strand etwas 10 Meter zu unseren Füßen, tronen wir vor dem Meer und lassen bei einem Glas Wein den Tag ausklingen. Dieser Platz gehört schon jetzt zu den Highlight des Urlaubs, da er den perfekten Ort, das perfekte Wetter und die perfekte Atmosphäre einfängt. (Manchmal passt eben alles) Nichts könnte unsere Ruhe, die wir an diesem Ort verspühren mindern können und so sinken wir am späten Abend zufrieden in unserer Kopfkissen.

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    Ich schiebe am Morgen die Gardinen unserer Busses beiseite und der erste Blick den ich erhasche bietet mir dieselbe Küstenlandschaft wie vom Vorabend, jedoch neuinterpretiert mit einem herrlichen Blau des Himmels. Nach einer Dusche im Meer, einem langen Spaziergang und einigen Stunden des Lesens verlassen wir mit einem lachenden und einen weinenden Auge die kleine Wiese an der Küste. Aber es gibt sicher noch weiteres zu entdecken…

    CruisingCampersBlog

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    Den zweiten Teil meiner Baltikumreise über die Abfahrt in Kiel, die Ankunft in Litauen und die ersten Nächte in Lettland findet ihr hier.

     

     

    Vielen Dank an DFDS ohne die diese Reise nicht möglich gewesen wäre.

     

10 Comments

  • Mensch wie ich mich freue, über diesen Blogbeitrag… kann kaum die nächsten Abwarten. 🙂
    Ich will schon EWIG mit dem Camper von Berlin an der Küste entlang bis St. Petersburg fahren.
    Jetzt kann ich schon mal ein wenig mit“machen“ indem ich lese, und planen, für meinen eigenen Trip. Total toll, vor allem auch eure Bilder. <3 Grüße aus HEssen.

    • Hey Bella, vielen dank. Freue mich dass der erste Bericht schon so gut ankommt. Glaub mir die nächsten Teile werden auch super. Estland und auch Litauen sind wunderschön für Campervan Trips. Lieben Gruß

  • Wahnsinns Bilder und eine toller Bericht 🙂 Das letzte mal als wie in Lettland waren, kam unser Irish Setter mit und dem hat es dort auch ganz doll gefallen

    • Danke Laura! Das kann ich mir gut vorstellen. Für Hunde heißt es dort: Laufen soweit die Füße sie tragen . Haha

  • hallo Laura – sind gerade an der Küste Lettlands unterwegs und würden so gerne ein Weilchen auf diesem wunderbaren Platz verbringen! Hast du vielleicht die Koordinaten von dem Plätzchen oder eine genauere Beschreibung? Herzliche Grüße

    • Hey Hanna, ich schätze du sprichst von dem zweiten Platz an der Steilküste? Hier sind die Koordinaten: 56.9403600, 21.2757429 Ich wünsch euch ganz viel Spaß und genießt euren Trip! Schickt mir ein paar Bilder oder Hashtagt einige bei Instagram mit #CruisingCampersBlog. Lieben Gruß

  • Das Baltikum ist wirklich schön, das nächste Mal geht’s mit der Fähre und unserem Camper wieder hin. Tolle Bilder!

    • Ja da kann man sich wirklich gut ein paar Kilometer auf der Straße sparen und den Blick aufs Wasser genießen. Mit DFDS ist die Verbindung ab Kiel ideal.

  • Hey,
    wir wollen im Sommer mit unserem T3 eine ähnliche Route fahren. Wie viele km wart ihr unterwegs und kannst du die länge der einzelnen Tagesetappen rekapitulieren?
    Vg Till

    • Hey Till, wir sind insgesamt fast 2500 km gefahren und waren 11 Tage unterwegs. Im Nachhinein betrachtet zu viele Kilometer für das reisen mit dem T3. Habe die Route mal grob aufgelistet. Hoffe das hilft euch!!
      1. Etappe ab 17 Uhr nach Ankunft mit der Fähre: Klaipeda nach Jurmalciems (Hatten ne Reifenpanne, daher hat es uns zwei Stunden extra gekostet. Sonst entspannter Streckenabschnitt)
      2. Jurmalciems – Liepaja – Ulmale (Stellplatz mit grandiosem Blick von der Steilküste)
      3. Ulmale – Vaide (Bei Kap Kolka) Super schön da aber Kap Kolka ist irgendwie überschätzt)
      4. Vaide – Roja (Nachmittagsfahrt)
      5. Roja – Treimani (Cooler staatlicher Stellplatz/Zeltplatz von RMK) – Bereits in Estland
      6. Treimani – Pärnu – Saaremaa (bei Kuressaare)
      7. Kuressaare – Veere (Genialer Stellplatz von RMK am Wasser) (Beides auf Kuressaare)
      8. Veere – Panga
      9. Panga (Estland) – Palanga (Litauen): 1 Tag komplett gefahren. Nicht sehr schön, aber so konnten wir noch auf die Kurische Nehrung. Mein Tipp: Spart euch die kurische Nehrung und macht dafür lieber einen Nationalpark im Landesinneren.
      10. Kurische Nehrung
      11. Kurische Nehrung – Klaipeda (Zur Fähre)

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