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    In Gedanken sind wir immer noch bei der traumhaften Wiese an der Steilküste, auf der wir die letzte Nacht verbrachten. Es zieht uns jedoch weiter nordwärts, die Küste entlang um die Stadt Ventspils zu besuchen, wohin wir es am Vortag nicht geschafft hatten. Die Stadt ist ebenfalls ein Abbild dafür wie sehr die Sowjetunion das Baltikum geprägt hat. Riesige Werkshallen ragen am Industriehafen empor. Die zwei Kräne, die sich zur Wasserseite von den Gebäuden wegstrecken, wirken wie Riesen die den Hafen und seine Gebäude bewachen. Irgendwie gruselig eindrucksvoll die Szenerie. Wir nutzen die Größe der Stadt um unseren Kühlschrank wieder randvoll zu beladen, haben jedoch schon gemerkt, dass Einkaufen im Baltikum wirklich kein Problem ist. In jedem kleinen Dorf gibt es Mini-Supermärkte in denen wir problemlos alles bekommen was das Herz begehrt. Sehr empfehlenswert finde ich das lettische Cidre. Dieses gibt es in unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen. Mein Favorit: Quitte!

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    Die Bundestraße, die links und rechts von weitläufigen Kiefernwäldern gesäumt ist führte uns immer näher Richtung Kap Kolka, dem Ort in dem man mit den Beinen in zwei Meeren stehen kann. So verspricht es jedenfalls der Reiseführer. Doch bevor wir dort ankommen wollen wir noch einen Stop in Miķeļtornis einlegen, um den Ausblick vom höchten Leuchtturm Lettlands zu genießen. Es ist schon früher Abend und wir haben die Befürchtung, dass die Besichtigungszeiten bereits vorrüber sind. Als wir am Leuchtturm ankommen bietet sich jedoch ein völlig unvorhergesehenes Bild. Kein Hinweisschild informiert darüber wie, wann oder zu welchem Preis der Leuchtturm besichtigt werden kann. Der Weg zum Leuchtturm führt über einen Hof, dessen Gebäude eher heruntergekommen und unbelebt wirken. Wir wagen uns auf das Grundstück bis wir von einem keifenden Wadenbeisser gestoppt werden. Und obwohl ich immer zu Kai sage „Fang bloß nicht an zu rennen wenn ein Hund kommt“ bin ich die erste die die Beine in die Hand nimmt und den Rückweg antritt. In sicherer Entfernung brechen wir in schallendes Gelächter aus. Der kleine Hund, der uns tatsächlich ca. 50 Meter vom Hof gejagt hat, dreht sich auf seinem Rückweg immer wieder hochnäsig um und knufft als wolle er sagen: “ Versucht das blos nicht nochmal!“. Die Leuchtturmbesichtigung fällt also aus. Dennoch lasssen wir es uns nicht nehmen die kleine Siedlung zu erkunden. Im Wäldchen befinden sich zwei Campingplätze und nahe des Leuchtturms stehen wiedermal verlassene Gebäude, die wirken als ob noch gestern Kinder auf den Schaukeln im Garten gespielt haben. Es fühlt sich an wie eine Reise in die Vergangenheit.

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    Mit der Stille des kleinen livischen Dörfchens Mikeltornis im Gepäck, biegen wir nach einer knappen halben Stunde auf eine vom Untergrund uns schon vertraute Kieselsteinstraße ab. Der Campingplatz für die Nacht muss hier irgendwo sein. Wir folgen den Wegweisern und teilweise auch unserem Gefühl, bis wir auf einer Lichtung umringt von Bäumen stehen. Zwei ältere Ehepaare, die es sich an einem Feuer gemütlich gemacht hatten, gucken uns ungläubig an als ich mit Cream über den Platz rattere. Wieder einmal ist ausreichend freie Fläche vorhanden, sodass wir zunächst einfach an einer Sanddüne parken. Als ich aussteige kommt mir direkt ein älterer Herr auf einem Fahrrad entgegen, der mich auf Deutsch willkommen heißt. Er erklärt uns die Anlage und führt dann seine Runde fort um mit den weiteren Campern auf der Wiese ein Pläuschchen zu halten. Ich weiß nicht ob es an dem perfekten Wetter liegt, aber bisher ist unserer Übernachtungsauswahl goldrichtig. Jeder Platz hat seine ganz eigene, besondere Atmosphäre. Die Wiese mit einem Teich in der Mitte liegt nur drei Minuten vom Meer entfernt. Als sich die Sonne senkt entzünden immer mehr Camper ein Feuer. Denn über der ganzen Anlage sind kleine Feuerstellen verteilt und das Holz hierfür ist selbstverständlich kostenlos. Wir schließen uns an und lassen einen weiteren Abend bei Kerzenschein, Cidre und Barbecue verstreichen bis es dunkel ist und die Ruhe der Nacht über dem livischen Dorf Vaide eingekehrt ist.

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    Die Sonne weckt mich am morgen durch einen Spalt zwischen zwei Gardinen. Kai ist schon wach und bereitet wie üblich den Kaffee vor. Gestärkt wollen wir eine Radtour zum Kap Kolka mit unseren Klapprädern machen. Wir frühstücken in Ruhe an dem kleinen Holztisch neben unseren Bus. (Bisher haben wir unsere eigenen Campingmöbel kaum benutzt, da es fast überall Picknicktische zum Verweilen gibt.) Wir schwingen uns in die Sattel und starten unseren Weg von knapp 12 km an die Spitze der Halbinsel Kurland dessen nördchster Punkt Kap Kolka genannt wird. Wir entscheiden uns, den Hinweg auf dem kleineren ausgewiesenen Fahrradweg und den Rückweg auf der Hauptstraße zurückzulegen. Das satte Grün des Waldes ist einfach wunderschön. Der Boden ist mit Moos bedeckt und durch die Baumwipfel fallen die Sonnenstrahlen. Wir passieren riesige Farn-Schneisen und bis auf eine Familie begegnet uns niemand. Wie sich herausstellt ist der Fahrradweg jedoch eher eine Mountainbikestrecke oder sogar etwas für Quadfahrer, denn nach einigen Kilometern ist der Weg so versandet, dass wir unserer Räder nur hindurchziehen können. Die 12 km werden daher immer länger und wir entschließen uns auf halber Strecke eine Abkürzung Richtung Strand einzuschlagen. Also klemmen wir uns die Birdy Räder (die zum Glück leicht genug sind) unter den Arm und nach 5 Minuten und einem Abstieg von einer Düne sind wir auf dem festen Sand an der Wasserkante angekommen. Hier rollt es sich wesentlich besser und nach kurzer Zeit erreichen wir unser Ziel. Der Wind peitscht die beiden „Meere“ (Rigaer Bucht und Ostsee) zusammen und vereinzelt machen Menschen Selfies, wie sie mit einem Bein in der Ostsee und dem anderen in der Rigaer Bucht stehen. (Das Kap Kolka ist in jeden Fall sehenswert, jedoch kein Muss auf einer Baltikum Reise.)

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    Auf dem Rückweg nach Vaide erwischt und ein heftiger Platzregen, sodass wir am Mittag völlig durchnässt und erschöpft an unserem Bus ankommen. Wir entschließen uns dazu ein kleines Schläfchen in der herrlichen Idylle des Platzes zu machen und genießen das Geräusch der Regentropfen eines kleinen Schauers auf unserem Dach, während wir gemütlch im Inneren verweilen. Gegen 17 Uhr starten wir auf unsere nächste Etappe Richtung Riga. Wir lassen die Kiefernwälder hinter uns, halten hier und dort für einen kleien Spaziergang und parken nach ca. 2 Stunden unseren Bus auf einem kleinen Parkplatz am Meer kurz hinter der Hafenstadt Roja. Die Steine die entlang des Strandes liegen wirken als ob Sie von einem Riesen wie Bonbons auf den Strand geworfen wurden. Die gesamte Küste entlang liegen die gewaltgen Steine im Wasser. Wieder einmal entschließen wir spontan die Nacht hier zu verbringen, da die Atmosphäre des Ortes zu schön ist um sie verstreichen zu lassen. Wir holen eine Decke aus dem Auto, machen ein kleines Picknick auf einer Bank direkt am Strand und schauen zu wie die Sonne immer güldener wird.

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    Das nächtliche Gewitter erhellt den Camper so sehr, dass ich zunächst vermute der Tag würde anbrechen oder jemand würde mit der Taschenlampe vor unserem Campervan stehen. Als wir am Morgen die Schiebetür unseres Busses öffnen hängen die grauen Wolken noch am Himmel. Ein perfekter Tag um ein paar Kilometer hinter uns zu bringen. Also wecke ich Cream nach dem Frühstück und wir düsen Richtung Riga. Die Schnellstraßen führen uns unübersichtlich aber dennoch schnell um die Hauptstadt Lettlands herum. Wir merken, dass sich die Landschaft ein paar Kilometer entfernt von der Küste verändert. Statt Meerwasser reihen sich nun Seelandschaften aneinander. Ob es in Estland wohl auch so schön sein wird?

    Wer mehr über meine Reise erfahren will sollte auch Teil 1Teil 3 und Teil 4 lesen.

    Vielen Dank an DFDS und Riese&Müller für die Unterstützung bei diese Reise.

2 Comments

  • Hallo Kati,
    super geschrieben und prima Fotos, Danke für’s Teilen! Für uns gerade eine schöne Einstimmung auf die diesjährige Tour 🙂
    Ein kleiner Hinweis: der Artikel endet noch mit dem „bald gibt’s mehr“. Teil 3 und 4 lassen sich auch so erschnüffeln, aber vielleicht magst Du den letzten Satz mal austauschen?

    • Hey Markus, vielen Dank für die Info. Wurde direkt behoben! 🙂 Viel Spaß auf eurer Tour. Das Baltikum ist ideal für alle die Ruhe, Einsamkeit und Natur lieben!

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