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    9 Tage Baltikum haben wir jetzt bereits hinter uns gelassen und an unserem idyllischen Stellplatz auf der estnischen Insel Saaremaa kommt es uns völlig absurd vor jetzt umdrehen zu müssen um in einigen Tagen wieder in Deutschland zu sein. Ich vermute, dass die ersten Wege durch Kiel wirken als ob wir in einen Großstadtdschungel eingetaucht sind, da wir im Baltikum von Weite und Ruhe überschüttet wurden. In keinem vorherigen Urlaub waren wir bisher so viel allein! Im positiven Sinne.

    Wir starten unseren Heimweg-Marathon, da unsere Reiseplanung vorsieht noch zwei entspannte Tage auf der Kurischen Nehrung in Litauen zu verbringen bevor es zurück auf die Fähre nach Kiel geht. Also verlassen wir Saaremaa am Vormittag und passieren Riga entlang der Via Baltica (die heute höher frequentiert ist als auf der Hinfahrt). Generell ist ein leichter Anstieg an Urlaubern (vorrangig Wohnmobilfahrer aus Deutschland und Finnland) während unseres Reisezeitraums zu bemerken. Ich denke dies liegt zum einen daran, dass wir Finnland sehr nahe gekommen sind (Fährverbindungen von Helsinki nach Tallin) und zum anderen, dass die Sommerferien nun beginnen. Unser Reisezeitraum von Ende Juni bis Mitte Juli war daher perfekt gewählt, da wir das Baltikum so ohne Tourismustrubel erleben durften, die Temperaturen dennoch bereits sommerlich waren.

    Die Sonne senkt sich langsam gen Horizont, doch aus Erfahrung wissen wir, dass es noch lange hell sein wird. Erst mit den letzten Sonnenstrahlen erreichen wir Palanga in Litauen. Die touristische Stadt an der Ostsee ist zwar bekannt für seinen breiten Strand, mich schrecken diese künstlich angelegten Straßen mit unzähligen Hotels, Appartementkomplexen, Restaurants und Bars jedoch ab. Wir suchen uns nur schnell ein ruhiges Plätzchen um einige Stunden zu schlafen und am frühen Morgen auf direktem Weg zur Fähre auf die Kurische Nehrung zu fahren. (Diese fährt vom nordlichen Teil Klaipedas. Sie ist auch ohne Navi gut zu finden wenn man der A1 bis in die Stadt folgt und sich dann nördlich hält. Schilder mit dem Wort „Neringa“ weisen ebenfalls darauf hin. Adresse: Nemuno gatve 8.) Für etwa 25€ erhalten wir unser Hin- und Rückticket für zwei Personen und VW Bus.

    Die Überfahrt findet regelmäßig statt und dauert gerade einmal zwei Minuten. Auf der anderen Seite landen wir in Smiltyne an und düsen auf direktem Wege nach Nida, wo sich der einzige Campingplatz befindet. (Eigentlich bin ich ja eher ein Gegner von Campingplätzen, es soll sich jedoch als ein ganz nettes Fleckchen herausstellen.) Bevor wir dort ankommen werden wir ca. 10 km weiter von einer Straßenblockade gestoppt. Hier wird eine Art Kurtaxe für die Nehrung fällig. Schlappe 50€ kostet uns der Spaß um weiter fahren zu dürfen. Mein Reiseführer war hier wohl etwas veraltet, da dort gerade einmal 16€ genannt wurden. Nach der anstrengenden Rücktour kommt uns ein kleiner Regenschauer gerade recht als wir am Campingplatz ankommen. Wir machen es uns zunächst gemütlich, trinken zwei Kannen Kaffee und schwelgen bereits in Erinnerungen an Lettland und Estland. Später erkunden wir den kleinen Campingplatz. Es herrscht eine angenehme Atmosphäre. Die Stellflächen sind kreuz und quer über den Platz verteilt, sodass kein Parzellenimage entsteht. Außerdem darf sich jeder Urlauber sein Plätzchen selber wählen. Wir entdecken viele Individual-Reisende, wie z.B. ein Päarchen das mit dem Dachzelt auf einer Ente umherreist oder einen Reisebus der ca. 30 Rentner durchs Baltikum kutschiert die fröhlich auf kleinen Höckerchen ihr Mittagsessen einnehmen. Die Besucher sind bunt gemischt und daher kann ich mich mit dem Platz gut anfreunden. Erst am Abend (Wochenende) wird klar, dass einige der Gäste dass Nachtleben im Dorf erkunden möchten. Aufgedrehte Teenies in glitzernden Kleidchen werden von kleinen TuckTuck-Taxis abgeholt. Kai trifft einige der Feierwütigen noch am Morgen beim Brötchen kaufen im Dorf-Supermarkt. Dieses Treiben ist eine herrliche Abwechslung zu der Ruhe und Weite der vergangenen Tage. Endlich haben wir wieder etwas zu beobachten und können uns von Zeit zu Zeit kaum noch auf unseren Stühlen halten.

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    Am nächsten Morgen besteigen wir nun endlich die Dünen der Kurischen Nehrung von denen wir einen grandiosen Blick über den Landstrich haben. Es wirkt eher wie eine Savanne als eine nördliche Dünenlandschaft. (Ähnlich wie der Kniepsand auf Amrum und doch wieder ganz anders!) Wir fahren mit unseren Rädern hinunter in das Dorf Nida, welches aus kleinen farbenprächtigen Holzhäusern besteht. Viele der Häuser in der ersten Reihe am Wasser sind heute Gaststätten und laden zum gemütlichen Fischessen ein. Wir entscheiden uns dennoch für ein Häuschen in der zweiten Reihe mit einem himmlisch verwachsenen Garten voller Obstbäume. In Nida hören wir die unterschiedlichsten Sprachen. Es wirkt internationaler und wesentlich belebter als das übliche Baltikum.

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    Am Nachmittag spazieren wir vom Campingplatz durch den kleinen Wald bis hin zum Meer, welches rau auf den Strand peitscht. Die Dünen geben uns Schutz vor dem Wind, so dass wir dennoch am Strand entspannen können. Bei einem guten Buch genießen wir den letzten Tag im Baltikum, bevor wir morgen die Kurische Nehrung verlassen.

    In Klaipeda verbringen wir die Stunden vor dem Ablegen der Fähre mit einem Bummel durch die Altstadt. Der Stadtkern ist überschaubar, alt und eindrucksvoll. Auf dem Marktplatz kaufen wir noch einige Früchte für unsere Rückfahrt ein. Viele Kleinbauern oder auch Privatpersonen verkaufen ihr selbst angebautes Gemüse und Obst sowie Kräuter, Honig und Blumen.

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    Mit vollen Tüten und bester Laune fahren wir Richtung Terminal wo wir bis zur Einfahrt in die Fähre zusammen mit den anderen Autos hinter einer Schranke warten. Pünktlich zur Abfahrt kommt eine LKW-Zugmaschine, aus der ein grimmig reinguckender Fahrer eine flotte Handbewegung gibt ihm zu folgen. Mit einem Affenzahn versuche ich mit Cream, unseren VW Bus, den Anschluss nicht zu verlieren. Nachdem ich unseren Campervan in die hinterste Lücke der Fähre eingeparkt habe beziehen Kai und ich unsere Kabine für die Rückfahrt. Die Ausfahrt genießen wir bei einem leckeren Abendessen im Boardrestaurant bevor wir es uns im gemütlichen Doppelbett bequem machen. (Kleiner Tipp: Auf dem TV in der Kabine sind lediglich zwei englische Nachrichtensender sowie mehrere osteuropäische Kanäle verfügbar. Die Mitnahme eines Tablets oder USB Sticks mit eigenen Filmen bietet sich an.) Als es dunkler wird beobachten wir die vorbeiziehenden Schiffe, die auf dem Meer blinken, aus unserem Kabinenfenster und leeren unsere Minibar. Ein wirklich gelungener Abschluss unserer Reise!

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    Für alle die eventuell gerade auch einen Baltikum Trip planen: Wenn ihr nur ein begrenztes Zeitfenster für euren Trip habt und überlegt ob ihr die Kurische Nehrung besuchen wollt würde ich euch empfehlen lieber diese Zeit für einen Nationalpark, das Inland oder einen anderen Küstenort zu nutzen. Die Kurische Nehrung ist sicherlich schön, aber es könnte irgendwo anders noch schöner, freier und wilder sein! 🙂

    Alle die mehr über den Beginn meines Trips erfahren wollen empfehle ich Teil 1 (Lettland Part 1), Teil 2 (Lettland Part 2) oder Teil 3 (Estland) der Reise!

    Vielen Dank an DFDS für die Unterstützung bei diese Reise.

2 Comments

  • Sehr schöner Beitrag über einen interessanten Trip! Vor allem die Bilder vermitteln einen sehr guten Eindruck! Gefäält mir, weiter so 🙂

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