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    Die Via Baltica (neu erbaute Bundesstraße/Schnellstraße zwischen Riga und Tallin) führt uns immer weiter Richtung Norden, der Grenze Estlands entgegen. Zeitweise läuft die Straße sehr dicht an der Küste entlang, so dass sich kurze Abstecher zum Meer immer wieder anbieten um eine kleine Pause zu machen. Die Straße ist in gutem Zustand, nur den Verkehr sollte man im Auge behalten. Viele Trucks nutzen die Straße und wollen sich nicht der gemütlichen Reisegeschwindigkeit unseres VW T3s anpassen. Um zeitweise der Küste noch näher zu sein biegen wir vor Ainazi von der Via Baltica auf die Bundesstraße 331 ab. Diese verläuft parallel zur Schnellstraße und wir passieren so viele kleine Dörfer. Nach einigen Kilometern überqueren wir die ehemalige Grenze und es fällt schnell auf, dass die Architektur der Häuser im Vergleich zu Litauen und Lettland nun leicht skandinavisch angehaucht ist. Es sieht immer mehr nach Finnland oder Schweden aus. Zwischen Treimani und Majaka fällt uns plötzlich ein kleines Waldstück auf welches durch einen Wegweiser als Campingbereich markiert ist. Die staatiche Organisation für Fortswirtschaft in Estland, genannt RMK, stellt an vielen Orten diese speziell angelegten Flächen auf denen das Campen erlaubt ist. Diese Plätze sind kostenlos, verfügen häufig über Toiletten (Plumpklos), Grillplätze und teilweise sogar kostenloses Feuerholz oder Wasser (Pump-Brunnen). Die Internetseite von RMK bietet die Übersichtskarte/Suche leider nur auf estnisch an. Die Anzahl der Plätze ist jedoch enorm und ein wenig Arbeit mit Google Translate lohnt sich. Hier könnt ihr die Suche der Plätze aufrufen. Markiert als erstes einfach „Telkimisala“ da dies Campingplatz bedeutet und die Region in der ihr einen Platz sucht. Dann klickt ihr auf „Näita vöimalusi“ und schon erhaltet ihr alle verfügbaren Plätze. Auf der Detailseite zu jedem Ergebnis findet ihr neben ausreichend Informationen selbstverständlich auch die GPS Daten.

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    Dieser erste Platz den wir kurz nach der Grenze zu Estland entdecken überwältigt uns bereits völlig. Der Platz zieht sich ca. 2 km am Meer entlang und bietet genügend Grillplätze für die Besucher. Neben uns steht noch ein älteres finnisches Ehepar mit Wohnwagen und eine Gruppe einheimischer Zelt-Camper auf dem Platz. Aufgrund der Größe nehmen wir diese jedoch überhaupt nicht wahr. Wir suchen uns ein Plätzchen zwischen den Bäumen mit Blick aufs Meer und lassen den ersten Abend in Estland ausklingen.

     

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    Am nächsten Tag starten wir gegen 11 Uhr nachdem wir unsere morgendliche Dusche im Meer genommen haben. (Wieder einmal völlig allein und ungestört.) Es ist unglaublich wie viel Ruhe ein menschenleerer Strand auf einen ausstrahlt. Das extrem kühle Nass bringt unsere Gemüter schon vor dem ersten Kaffee auf Hochleistung. Unser Tagesziel ist die Insel Saaremaa an der Westküste Estlands. Auf dem Weg dorthin wollen wir für einen kurzen Sparziergang in  Pärnu halten.

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    Als wir das Ortsschild Pärnu erreichen folgen wir wie immer zunächst den Schildern ins Zentrum und suchen uns stadtnah einen Parkplatz. Bisher war dieses Vorgehen in den baltischen Orten immer ideal. Auch dieses Mal finden wir einen Parkplatz nur ca. 100 Meter von der Hauptstraße der Altstadt entfernt. Wir schländern durch den kleinen Stadtkern und ich bemerke, dass diese Stadt durchaus „alternativ“ geprägt ist. Es gibt viel Streetart, hippe Cafés und modern angezogene Menschen zu entdecken. Auch kündigen unzählige Plakate Strandfestivals und Konzerte an. Leider sind diese alle erst eine Woche später. Die Straße zum Strand hinunter ist gesäumt von wunderschönen Holzhäusern, die durch Verandas und kleine hübsche Holzverzierungen bestechen. Der Strand von Pärnu ist schön, wenn auch touristisch. Ich würde die Promenade, den Strand und das Flair mit einer kleineren Version von Warnemünde vergleichen wollen. Es ist noch ruhig als wir am Strand ankommen, jedoch kann ich mir bei der Größe des Strandbades und der Vielzahl an Lokalitäten durchaus vorstellen was hier in einer Woche (Start der Sommerferien) los ist. Wir schlendern am breiten Strand entlang bis zu einer Surfschule. Das Gebiet ist ideal für Wind- oder Kitesurf Anfänger.

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    Bei unserer Weiterfahrt nach Saaremaa durchfahren wir zum ersten Mal einen Landstrich der weiter vom Wasser entfernt ist und noch ländlicher wirkt. Kaum ein Auto begegnet uns. Es ist eine ruhige Fahrt, perfekt zum entschleunigen. Ich drehe das Radio an, kurbel mein Fenster herunter und lass den Fahrtwind durch mein Haar rauschen während Kai mich als Beifahrer mit Snacks versorgt. Nach zwei Stunden erreichen wir gegen 19.30 den Fähranleger in Virtsu und setzen nach kurzer Wartezeit nach Kuivastu über. (Die Fähre fährt im 30 Minuten Takt und glücklicherweise auch bis ca. 21 Uhr.) Für die Überfahrt mit unserem VW Bus zahlen wir gerade einmal 14,80€.

     

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    Da wir am nächsten Tag gerne die Hauptstadt der Insel Kuressaare (ehemals Arensburg) erkunden wollen machen wir uns direkt auf den Weg dorthin. In der Dämmerung passieren wir die ersten „Elch-Schilder“ und bereits einige Kilometer weiter passiert es: Ein Auto vor uns bremst stark ab, da eine Elchkuh mit Nachwuchs am Fahrbahnrand steht. Ich flippe völlig aus und freu mich `nen Keks, dass ich die ersten Elche unserer Reise entdeckt habe,. Wenn auch nur für eine Millisekunde im Vorbeidüsen. Ab diesem Zeitraum starren Kai und ich in jede Waldlichtung, da wir dort einen Elch vermuten. Meistens erhaschen wir aber nur einen großen moosigen Stein oder Baumstumpf den wir für einen Elch halten. Da es langsam dunkel wird entscheiden wir uns die Nacht auf einem kleinen Parkplatz am Wasser, etwas südlich von Kuressaare, zu verbringen. Bevor wir schlafen gehen erkunden wir noch schnell den Strand der vom Parkplatz nur wenige hundert Meter entfernt ist. Die Abende im Baltikum sind wahnsinnig schön, da aufgrund des sehr lang andauernden Sonnenuntergangs der Himmel in traumhafte Farben gehüllt ist. Die fast Zuckerwatte-artigen rosa Wolken hängen an diesem Abend so tief, dass man denken könnte sie wollen auf dem Meer landen.

     

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    Am nächsten Morgen geht es ab nach Kuressaare, wo wir uns zunächst die Burganlage anschauen. Wir besichtigen auch das Museum, welches sich im Inneren befindet. Leider sind viele Ausstellung nur auf Estnisch und Russisch ausgeschildert. Dennoch ist es interessant durch die Gänge der Burg zu laufen und die unterschiedlichsten Ausstellungen zu erkunden (Tierwelt im Baltikum, Historie von Estland oder Wohnbeispiele der Esten aus den vergangenen Jahrzehnten). Auch in dieser kleinen Hafenstadt stehen viele Holzvillen, die durch ihre Verzierungen auffallen. Der besondere Charme entsteht, da zwischen neu restaurierten Häusern eben auch völlig herunterkommende Villen stehen die man nur zu gern wieder zu Leben erwecken würde. Spitzengardinen hinter Holzfenstern wechseln sich mit modernen Coffeeshops oder Restaurants ab. Auch kleine individuelle Läden säumen die kleine Hauptstraße des Ortes.

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    Gegen Nachmittag geht es weiter Richtung Süden zum Leuchtturm Sörve Tuletorn bei Säära von dem ich bereits im Vorfeld der Reise eindrucksvolle Bilder gesehen habe. Daher stand dieses Ziel ganz oben auf meiner Liste und ich muss sagen es hat sich gelohnt. Der Turm steht unaufgeregt am Ende des Landstriches umgeben von alten Bunkerresten und kieseligem Strand. Auf den meisten Bildern, die von diesem Ort existieren, werden die Bunker ausgeblendet. Ich finde jedoch das gerade diese dazu gehören, denn die Geschichte des Baltikums wird einem durch diesen Kontrast viel bewusster.

     

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    Wir brechen auf um gegen Abend den nächsten Schlafplatz im Norden der Insel zu erreichen. Durch die Stellplatzkarte von RMK sind wir auf ein Plätzchen in Veere aufmerksam geworden.

    Nach einer 1-stündigen Fahrt erreichen wir das Ziel, welches auf meiner Baltikum Stellplatz-Hitliste definitiv einen der obersten Ränge einnimmt. Vielleicht wird es sogar der Sieger sein. Ich manövriere unseren VW Bus gekonnt zwischen zwei Bäumen unmittelbar am Meer. Gerade einmal 5-10 Meter trennen uns von der Wasserkante. Wir genießen einen 180° Wasserblick und machen es uns in der Abendsonne vor dem Campervan gemütlich. Dieser nördliche Landstrich gefällt mir unglaublich gut, so dass ich die Strecke von Säära über Lömala, Kipi, Kihelkonna und Kalmu bis nach Veere für jeden Roadtrip über Saaremaa empfehlen würde. Wälder, Weiden, Lichtungen, Gehöfte wechseln sich ab und aufgrund der niedrigen Besiedelung können wir das Slow Travel Gefühl ungestört genießen.

    Am Morgen liegt die Bucht mit ihrem steinigen Grund so friedlich vor uns, dass wir zunächst den Ausblick aus unserer Schiebetür bewundern. Ich nutze die Idylle und wasche einige meiner Klamotten mittels meines neues Scrubbabags. (Einen Blogbeitrag über dieses kleine Waschwunder findet ihr bald auf dem Blog.) Die Situation auf dem Stellplatz wird für mich immer traumhafter. Blick aufs Wasser, golden glitzerndes Meer in der Morgensonne, flatternde Wäsche im Wind und meine lecker duftenden Banana-Pancakes. Hier könnte ich ewig bleiben!

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    Wie unsere Reise weiter geht erfahrt ihr im nächsten Teil meines Reiseberichtes durchs Baltikum. Alle die mehr über den Beginn meines Trips erfahren wollen empfehle ich Teil 1 (Lettland Part 1)  und Teil 2 (Lettland Part 2) der Reise!

     

     

    Vielen Dank an DFDS für die Unterstützung bei diese Reise.

     

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